Digitales Lernen - Der Datenschutz an Schulen

Digitales Lernen - Der Datenschutz an Schulen

27. Juli 2021

Digitale Medien und Lerninfrastrukturen bieten die Möglichkeit, gänzlich neue Lernformen zu gestalten. Durch ihren Einsatz kann der Unterricht in vielen Schulfächern lebendiger, inspirierender und praxisbezogener strukturiert werden. Außerdem können dadurch Lernfortschritte zuverlässig erfasst sowie Lernbausteine und Lernmaterialien systematisch eingesetzt werden. Das Lernen im Unterricht und abseits der Schule lässt sich hiermit sinnvoll miteinander kombinieren, was letztlich auch unterstützend dabei hilft, Bildungsbenachteiligungen entgegenzuwirken. Parallel dazu wird den Kindern und Jugendlichen ein gewissenhafter Umgang mit diesen digitalen Produkten vermittelt.

Onlineplattformen tragen letztlich dazu bei, dass gemeinsames Lernen und Studieren als etwas völlig Normales in den Alltag integriert werden. Perspektivisch findet somit eine ideale Vorbereitung der Schüler an Anforderungen am zukünftigen Arbeitsplatz statt.

Besonderer Schutz von Kindern

Gerade Kinder und Jugendliche sind im Umgang mit ihren eigenen Daten oft sehr leichtgläubig oder sogar ahnungslos. Häufig können Sie die Konsequenzen noch gar nicht abschätzen. Deshalb wurde dieser Aspekt auch bei der seit dem Jahr 2018 gültigen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) berücksichtigt und der Schutz von Kindern an mehreren Stellen integriert. So wird beispielsweise in Erwägungsgrund 38 der DSGVO geschrieben: „Kinder verdienen bei ihren personenbezogenen Daten besonderen Schutz, da Kinder sich der betreffenden Risiken, Folgen und Garantien und ihrer Rechte bei der Verarbeitung personenbezogener Daten möglicherweise weniger bewusst sind.“

Auch die Schule ist kein datenschutzrechtsfreier Raum

Denn immer dann, wenn Daten aufgenommen, dokumentiert oder verarbeitet werden, müssen auch bestimmte Regelungen hinsichtlich des Datenschutzes getroffen werden. Nicht immer ist den Lehrkräften wirklich bewusst, an wie vielen Stellen sie tatsächlich Umgang mit Schülerdaten haben. Das bezieht sich nicht nur auf die Kontaktdaten der Kinder, Eltern und Lehrkräfte, sondern auch auf die gegenseitige Kommunikation. Darunter zählen vor allem die Noten, Zeugnisse, eventueller Lern- und Förderbedarf, Fehlzeiten, notwendige Medikationen, Fotos von Klassenfahrten sowie sämtliche Schriftstücke, die von den Schülern selbst erstellt werden (Aufsätze, Tests, Hausaufgaben, Klausuren) und einen Einblick in die Persönlichkeit bzw. das Verhalten des Kindes geben könnten.

Wenn diese Informationen digital in einer Software gespeichert werden, müssen gewisse Faktoren berücksichtigt werden. So zum Beispiel:

Wer ist der Eigentümer der Software?

Wo befinden sich die Server, auf denen die Daten gespeichert werden?

Wer hat Zugang zu den Servern?

Sind dritte Firmen beteiligt?

Welche Daten werden zu welchem Zweck gespeichert?

Für welche zusätzlichen Auswertungen werden die Daten gegebenenfalls verwendet?

Gemäß Schulgesetz (§§ 120 – 122) ist für alle Fragen, die die Speicherung und Verarbeitung von Daten betreffen, die Schulleitung verantwortlich. Das betrifft nicht nur den Einsatz jedes digitalen Endgeräts, sondern auch die Nutzung jeglicher Verwaltungs- und Unterrichtssoftware sowie jeder Schulcloud. Wichtig beim Einsatz einer Software durch die Schulen bzw. Lehrkräfte ist, dass diese sich vorher das Einverständnis von den Schülern bzw. bei minderjährigen Kindern von den Sorgeberechtigten geben lassen und ihnen mitteilen, was mit den Daten passiert und wo sie gespeichert werden.

Als die Schulen im Frühjahr 2020 den Präsenzunterricht pandemiebedingt einstellen mussten, wollten viele auf dem schnellsten Weg mit dem Digitalunterricht beginnen und brachten dann einfach solche Apps oder Videokonferenzsysteme zum Einsatz, die unentgeltlich zur Verfügung standen. Dabei wurde vorher wahrscheinlich selten überprüft, ob deren Nutzung überhaupt datenschutzkonform möglich ist. Deshalb ist es auf jeden Fall ratsam, dass sich die Schulen und Aufsichtsbehörden vorher darüber einig werden, ob eine Schullernplattform oder ein Videokonferenzsystem zum Einsatz kommt. Die Benutzung der App bzw. Software mag kostenlos sein, dafür zahlt man aber meist mit seinen Daten, unter Umständen sogar mit den Daten seiner Kinder. Das ist jedoch laut DS-GVO nicht zulässig.

Sowohl Lehrer als auch ihre Schüler und deren Eltern müssen Vertrauen in die Digitalisierung schulischer Lernbereiche haben können. Denn nur, wenn die Belange des Datenschutzes und der Datensicherheit rigoros berücksichtigt und auch dementsprechend umgesetzt werden, kann das Lernen mit digitalen Medien dauerhaft effizient sein.

Im Übrigen gilt sowohl für Eltern und ihre Kinder als auch für Lehrkräfte, dass sie nichts unterschreiben müssen, womit sie nicht einverstanden sind. Verweigern sie eine Einwilligung, darf ihnen daraus aber auch kein Nachteil entstehen. Denn hier greift das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, welches besagt, dass prinzipiell jeder Einzelne selbst über die Herausgabe und Nutzung seiner persönlichen Daten entscheiden kann. Falls erforderlich muss die Schule Alternativmöglichkeiten für diejenigen bereitstellen, die die Datenverarbeitung mit einem bestimmten Programm nicht genehmigt haben. Zudem können die Beteiligten von ihrem Auskunftsrecht (Art. 15 DS-GVO) Gebrauch machen.

Grundsätzlich müssen die Lehrkräfte an Schulen immer folgende Punkte im Auge behalten:   

Mobile Datenträger, die personenbezogene Daten enthalten, sind zu verschlüsseln und zusätzlich mit einem Passwortschutz zu versehen.

Die Nutzung „starker“ Passwörter (aus z. B. Ziffern, Klein- und Großbuchstaben und Sonderzeichen) ist wichtig, um im Falle eines Angriffs nicht leicht entschlüsselt zu werden.

Die regelmäßige Sicherung von (schülerbezogenen) Daten und Dateien auf USB-Sticks, externen Festplatten oder Online-Diensten soll vor Datenverlust durch beispielsweise technische Ausfälle oder Diebstahl schützen.

Die Kommunikation über aktuelle und sichere Ende-zu-Ende-verschlüsselte E-Mail-Programme kann die Angriffsfläche für Schädlinge (Trojaner, Viren, Würmer, Phishing) minimieren.

Virenscanner und Firewalls arbeiten nur dann optimal, wenn alle eingesetzten Softwareelemente und das Betriebssystem auf dem neuesten Stand sind.

Im Bereich des sog. Social Engineering täuschen Betrüger ihren Opfern oft eine persönliche Bekanntschaft vor, um an vertrauliche Informationen oder schützenswerte Daten zu gelangen bzw. zum Öffnen von Dateien oder zur Installation von Programmen auf dem Computer zu animieren. Gerade deshalb müssen sich Lehrerinnen und Lehrer den Aspekt der Datensparsamkeit bewusst machen, d. h. welche Angaben sie in sozialen Netzwerken über sich bekannt geben und wer diese Informationen alles sehen kann.

Obwohl die Schulen Unterstützung von externen Experten, also von professionellen beratenden Datenschutzbeauftragten erhalten können, begnügen sich viele immer noch mit IT-interessierten Lehrkräften, die diese wichtige Aufgabe zusätzlich zu ihren Unterrichtsstunden aufgebürdet bekommen. Nichtsdestotrotz sind alle Lehrerinnen und Lehrer für den sicheren Umgang mit sensiblen Daten sowie deren Verschlüsselung und Schutz vor Missbrauch und Verlust mitverantwortlich.

Der DigitalPakt Schule

Im Frühjahr 2019 trat der DigitalPakt Schule in Kraft. Ziel davon ist es, die Schulen bei Ausgaben zum Auf- und Ausbau einer modernen digitalen Bildungsinfrastruktur zu fördern. Der Bund stellt den Ländern und Gemeinden dafür über einen Zeitraum von fünf Jahren Finanzhilfen von insgesamt 5 Milliarden € zur Verfügung. Diese Gelder sind für Investitionen in die Ausstattung mit IT-Systemen und die Vernetzung von Schulen gedacht. Darunter zählen beispielsweise das schulische WLAN, der Aufbau und die Weiterentwicklung von Lernplattformen und Cloudangeboten, digitale Arbeitsgeräte oder auch schulgebundene mobile Endgeräte, wie Laptops, Notebooks und Tablets.

Angesichts der durch die Pandemie veranlassten Schulschließungen wurde 2020 zudem entschieden, den DigitalPakt um zusätzliche 1,5 Milliarden € für die Förderung der Ausbildung und Finanzierung in der IT-Administration, für Hilfsmittel zur Erstellung von digitalen Inhalten sowie für ausleihbare schulische mobile Endgeräte für die Schülerinnen und Schüler und auch für die Lehrkräfte zu erweitern.

 

Meine Quellen:

https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/318529/datenschutz-in-der-schule-keine-herausforderung

https://www.digitales-lernen.de/2020/04/17/digitalpakt-schule-foerdergelder-fuer-eine-neue-bildungsinfrastruktur/

https://www.medienberatung.schulministerium.nrw.de/Medienberatung/Datenschutz-und-Datensicherheit/

https://deutsches-schulportal.de/unterricht/datenschutz-landesdatenschutzbeauftragter-lutz-hasse-was-lehrkraefte-beim-datenschutz-beachten-muessen/

https://www.lehrer-online.de/unterricht/sekundarstufen/faecheruebergreif

end/artikel/fa/digitales-lernen-im-schulalltag-am-beispiel-von-samsung-neues-lernen-eine-betrachtung-aus-datens/

https://www.bildung.digital/artikel/wissenswertes-zum-datenschutz-beim-digitalen-fernunterricht

https://www.digitalpaktschule.de/de/was-ist-der-digitalpakt-schule-1701.html

https://www.medienbildung.sachsen.de/download/LASUB_Br_In formationssicherheit_web.pdf

 

Autorin: Aline Neißner